Aus meinem Tagebuch Jardin_Fôrét sacré

Aus meinem Tagebuch Jardin_Fôrét sacré

Aus meinem Tagebuch Jardin_Fôrét sacré

November 15, 2017 Read

Eines Nachmittags saß ich etwas abseits im Auto und wartete auf Pierre und Nicaise. Ich beobachtete einen etwa 40 jährigen Mann auf dem Fahrrad, das einen zweirädrigen Anhänger nachzog. Auf diesem Anhänger war ein ausgewachsenes Zebu Rind “zusammengefaltet” und festgeschnürt. Ein 10 jähriger Junge der wohl auf dem Heimweg war sah das und stellte sich mitten auf die Straße, breitete die Arme aus und hielt den Radfahrer an. Er ging auf ihn zu und sagte: “Das Tier leidet große Schmerzen so wie Sie es verschnürt haben. Bitte lassen Sie es neben her laufen”. Der Mann schimpfte…“Du Flegel, was fällt dir ein mich einfach aufzuhalten. Gehe mir aus dem Weg sonst bekommst du eine Tracht Prügel”. “Nein, ich bleibe so lange hier stehen bis sie das Tier losgebunden haben” antwortete der Bub. “Wer bist du, dass du so mit mir redest. Haben dir deine Eltern keine Manieren beigebracht? Das Rind wird sowieso geschlachtet, da ist es doch egal wie ich es transportiere. Gehe mir aus dem Weg sonst fahre ich dich um” wütete der Mann wieder. “Wenn sie ein Mensch mit Herz wären könnte sie es nicht ertragen das Tier leiden zu sehen” versuchte es der Bub weiter. “Jetzt reicht es mir, aus dem Weg du Lümmel” rief der Mann mit dem Rad. “Bitte binden sie das Tier los sonst rufe ich die Gendarmerie und sage, dass hier ein Tierquäler unterwegs ist”, der Bub ließ nicht locker.(Tierschutzgesetze gibt es in Benin , aber es gibt nicht viele die sich darum kümmern.) Schließlich siegte die Hartnäckigkeit des 10 Jährigen. Der Mann band das Rind los und ließ es neben her laufen. Ich war sehr stolz auf den Jungen denn er hatte die Veranschaulichung über den Tierschutz verstanden. Aus diesem Grunde fuhr ich in sein Dorf, suchte den Dorfchef auf und erzählte ihm: “Ihr habt einen Helden im Dorf! Es ist ein kleiner Junge, er diskutierte tapfer mit einem Erwachsenen, der ein Rind auf einem Fahrradanhänger transportierte. Er bestand darauf das Tier loszubinden und setzte sich mutig durch”. Der Chef verstand zuerst nicht was daran so schlimm sein sollte, bekam aber nach meiner Erklärung ein schlechtes Gewissen und schämte sich, denn er transportierte seine Tiere genauso. Anschließend besuchte ich den Rektor der Schule und erzählte auch ihm die Geschichte. Der war sehr erfreut und ließ alle Klassen im Pausenhof antreten. Mit lauter Stimme schilderte er vor allen Schülern die ganze Begebenheit. Zum Schluss sagte er: “Die Ausrede - ach da kann man ja nichts tun - zählt ab heute für die Schüler unserer Grundschule nicht mehr. Ihr habt gesehen man muss nur wollen, dann kann auch ein einzelner Schüler etwas verändern. Wir sind stolz auf ihn”.