Jahresbericht 2021

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November 26, 2021 Read

Aktuelles

Projekt WEMA PLANTA

Umstellung auf ökologisch, nachhaltige Ackerbauwirtschaft in Yakabissi/Birni, Gobada, Materi und Boukoumbé.

Nachdem wir uns einigermaßen akklimatisiert hatten, besuchten wir Yakabissi/Birni in der Kommune Kouandé. Wir waren überrascht wie weit unsere Mitarbeiter und Bauern in der Feldarbeit und in der Aufzucht der Karité- und Néré-Pflanzen gekommen sind. Wir kamen gerade rechtzeitig zur Mungbohnen Ernte.

Aussaat der Mungbohnen Baumschule
Aussaat der Mungbohnen Baumschule

 

blühende Sesampflanzen Ernte der Mungbohnen
blühende Sesampflanzen Ernte

Wir bestaunten ein 18 Hektar großes Sesamfeld, welches in voller Blüte stand. Man rechnet mit einem Ernteertrag von 45 Tonnen in vier Wochen. Der Ertrag wird über die Kooperative (350 Bauerfamilien) vermarktet. Der Anbau von Sesam ist ein Novum in Benin und erfreulicherweise werden die Felder nicht von frei laufenden Rindern verwüstet, weil die Pflanzen offenbar den Tieren nicht schmecken.

 

Yakabissi, Agraingeneure, Praktikanten und wir
Yakabissi, Agraringeneure, Praktikanten und wir

 

Gobada

Schulung der Bauernberater
Schulung der Bauernberater

In Gobada begrüßten wir eine Gruppe der Bauernberater, die gerade an einer Schulung teilnahmen. Der Leiter des Schulungsprojektes Wema Planta kommt alle drei Monate, um Workshops in den jeweiligen Gebieten (Gobada, Yakabissi, Materi und Boukoumbé) abzuhalten.

Zutaten mischen für ein pflanzliches Insektizid Filtern des Insektizids
pflanzliches Insektizid Filter

 

Besprühen der Pflanzen mit dem Insektizid Sojafeld
Besprühen Sojafeld

 

Am nächsten Tag wollte uns die Gruppe voller Stolz das gemeinsame Sojabohnenfeld (23 ha) zeigen. Es gab lange Diskussionen ob die Piste mit unserem Auto überhaupt befahrbar wäre. Mopedfahrer können die Lage schlecht beurteilen. Sie kommen fast überall hin. Die Piste war völlig vom Regen aufgeweicht und die Ränder mit mannshohem Gras bewachsen. Termitenhügel, Baumstümpfe, tiefe Löcher und unterspülte Fahrspuren waren, wenn überhaupt, sehr spät zu sehen. Für Marianne – die beste Autofahrerin – war es eine große Herausforderung! Leider sind wir steckengeblieben. Aber es gibt „im Busch“ immer Helfer. Schließlich waren es 10 Leute, die mit Manneskraft den Pickup wieder flott machten.

Zisterne in Aningbe

Letztes Jahr wurde von Wema-Home eine dringend benötigte Trinkwasser Zisterne in Aningbe finanziert. Frauen und vor allen Dingen die Mädchen waren froh darüber. Sie mussten das Wasser nicht mehr von der sieben Kilometer entfernten Pumpe holen. Ein halbes Jahr später erreichte uns die Hiobsbotschaft, ein Blitzschlag hat die gesamte Zisterne regelrecht gesprengt. Immer wieder wurden wir gefragt ob da kein Blitzableiter installiert war. Hm, in ganz Benin gibt es 3 Spezialisten dafür. Alle waren für Monate ausgebucht. Das war wirklich Pech. Die geborstene Zisterne musste abgetragen werden. Leider widerstanden die Fragmente allen Werkzeugen die aufgetrieben wurden. Kein Pickel, kein Vorschlaghammer, kein Spaltkeil für Stein und keine Spaltaxt, ein paar Kratzer oder Schrammen war alles was die Versiegelung zuließ. Mit Handarbeit war der Zisterne nicht beizukommen. Da hätte es schon einen Bagger gebraucht, aber den in das abgelegene Dorf zu bringen wäre für uns unerschwinglich geworden denn der Standort liegt 145 Km entfernt.

Zerstörte Zisterne
vom Blitz zerstörte Zisterne

Ein neuer Platz wurde abgemessen und eine neue Grube ausgehoben. Die Jungs waren in Rekordzeit bei zweieinhalb Metern Tiefe angekommen. Super, da können sie morgen anfangen die Mauersteine herzustellen. Leider regnete es zwei Tage in so großer Menge, dass die kleinen Flüsse extrem hoch über die Ufer stiegen. Erntereifes Getreide wurde weggerissen und einige Bauernfamilien waren auf ihren Feldern von den Wassermassen eingeschlossen. Eine Woche später machten wir uns wieder auf den Weg nach Aningbe.
Die Grube war vollgelaufen mit Wasser. Die Jungs hatten sich eine Motorpumpe geliehen und die Grube insgesamt dreimal ausgepumpt und dreimal lief sie wieder voll. Jetzt warten sie bis der Boden ringsum abgetrocknet ist. Vom Sandhaufen war nur noch wenig übrig geblieben – weggeschwemmt. Das kann ja noch dauern bis die Zisterne steht.
Überraschung, vier Wochen später bekamen wir per WhatsApp, Bilder der neuen Zisterne nach München geschickt. Es fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten.

Neubau der Zisterne
Neubau der Zisterne

 

Frauengruppe Govi

In den letzten News im August- kurz vor unserem Abflug nach Benin - haben wir berichtet, dass die Frauengruppe Govi einen Zaun und eine Wasserpumpe um ihren Gemüsegarten bekam. Das Gelände ist 2 Hektar groß und 5 Gruppen von je 20 bis 25 Frauen bauen dort ihr Gemüse an.

Pumpe ausprobieren Ausgelassen tanzen
Pumpe ausprobieren Ausgelassen tanzen

 

Umarmung und Gelächter Schutzgeister werden gerufen
Umarmung und Gelächter Schutzgeister werden gerufen

Das war natürlich ein Grund zum Feiern. Am 8. September wurden wir von ca. 60 Frauen und mehreren Kindern und auch Dorfältesten empfangen. Es war ein tolles Fest. Es wurde getanzt, Reden gehalten und Palmschnaps machte die Runde. Marianne wurde hoch gehoben, umarmt und gedrückt.

 

Jardin Sacré der Grundschule Gobada

Seit zwanzig Jahren wird das Areal von Grundschülern* gehegt und gepflegt. Es ist ein hoher wilder dichter Wald geworden. Auch die als Hecke ausgebrachten Pflänzchen sind drei bis fünf Meter in die Höhe gewachsen. Die zwei von Wema-Home gesponserten Bienenstöcke liefern zweimal im Jahr je 28-30 Liter Honig. Ein Teil davon wird verkauft, um finanziell schlecht gestellte Schulkinder zu unterstützen. Der andere Teil kommt auf den Maisbrei in der ersten Pause, weil die meisten Kinder ohne Frühstück zum Unterricht kommen.

Schutzhecke
Die Schutzhecke ist gut angewachsen

 

Schutzhecke
Die gleiche Hecke 20 Jahre später

 

Das gemeinsame Forschungsprojekt Biodiversität und Klima mit der Universität Berlin und der Universität Parakou in Benin liegt zurzeit leider wegen der Pandemie auf Eis Naturschutzprojekt

 

Schutzhecke
Brachland, Jardin Sacré, nach 20 Jahren Schutz und Pflege

Die SchülerInnen der ersten Stunde waren damals zwischen sechs und zwölf Jahre alt. Heute, zwanzig Jahre später, gehören viele von ihnen zu den engagiertesten Naturschützern. Wir sind sehr dankbar, und freuen uns, dass dieses Projekt so erfolgreich ist.

 

Grundschule in Sourikou, Jardin Sacré

Vor vier Jahren waren wir das letzte Mal in Sourikou. Es gab damals eine heftige Meinungsverschiedenheit mit zwei Bauern. Sie wollten partout nicht einsehen, dass ein ganzer Hektar des Schulgrundstücks für einen Jardin sacré reserviert werden soll. Wo ihrer Meinung nach ein paar Baumpflänzchen gesetzt werden und dann wartet man was sich tut. So eine Spinnerei! Der Bürgermeister und die Ältesten sprachen ein Machtwort und der JS wurde gegründet. Die Kinder waren begeistert und freuten sich über ihre verantwortungsvolle Aufgabe. Bei unserem Besuch waren wir gespannt, wie wohl der Jardin Sacré aussieht?
Überraschung! Im Pausenhof wartete eine quirlige Menge an aufgeregten Erst-, Zweit- und Drittklässlern während die etwas Älteren auf cool machten. Ohne lange zu reden gingen wir sofort zum Jardin Sacré. Die zweite Überraschung, Schüler* und Lehrer* hatten auf dem Weg zu ihrem Areal eine Allee angepflanzt. An jedem Baum, sie waren immerhin schon zwei Meter und höher gewachsen, blieb ein Kind stehen und wartete ganz zappelig bis der Lehrer es aufrief. „Ich heiße Meimouna und mein Baum heißt wie meine Oma weil ich sie sehr gerne mag. Ich kümmere mich um ihn wie ich mich um meine Oma kümmere“. Bei den Mädchen überwogen meist Namen aus der Familie, der Verwandtschaft. Bei den Buben hört sich das etwas anders an: mein Baum heißt Ronaldo, meiner Messi und ich habe meinem den Namen Louis Hamilton gegeben. Ein Bub saß etwas verstört vor einem kleinen Pflänzchen. „Ich war lange krank und mein Freund, der sich um mein Bäumchen kümmern sollte hat sich das Bein gebrochen und musste ins Krankenhaus. Meine Klassenkameraden haben meinen kleinen Baum im hohen Gras übersehen und er ist abgestorben. Der Ersatzbaum ist erst ein paar Monate alt.

Naturschutzprojekt

Wir gingen um das gesamte Areal, um das Engagement der Schulkinder und Lehrer* zu bestaunen. Doch was war das denn, ein Teil des Geländes war verwüstet und abgeholzt. Wer macht denn sowas? „Das waren die beiden Bauern, mit denen wir seit Projektbeginn im Konflikt sind“ meinte der Rektor.
Im Lehrerzimmer erwarteten uns der Bezirksvorsteher und die Dorfältesten, Frauen und Männer und auch die beiden Bauern. Die Schulgemeinschaft erhielt von Wema-Home einen Stapel Schreibhefte und eine Schachtel voller Kugelschreiber einen Ball und zwei kleine Bücher. Im Büchlein l’Arbre wird die Geschichte eines Baumes erzählt, der als letzter eines großen Waldes gefällt werden sollte. Der Baum erzählt seine Lebensgeschichte einem kleinen Jungen. Eine ältere Frau fragte mich, „Mam, ich kann nicht lesen, was genau steht in den Büchern drin“? „Ja, das interessiert mich auch“ warf ein knorriger alter Mann ein. „Stimmt, wir erfahren sehr wenig was in Büchern steht, weil angeblich keiner Zeit hat, es uns vorzulesen oder zu erzählen“. „Mam, sagen sie uns was da drin geschrieben steht“.

Naturschutzprojekt

Ich fasste die Geschichte des weinenden Baumes zusammen und der Rektor übersetzte sie. Danach herrschte Stille. Eine Frau wischte sich verstohlen eine Träne aus den Augen. „Bitte Mam, lesen sie uns jedes Wort das im Buch steht vor“ der Bezirksvorsteher unterbrach sie, „höre mir zu Mara und nicht nur du, es geht uns alle an. Wir haben Kinder in der Schule die lesen können. Wie wäre es wenn wir uns an bestimmten Abenden treffen und unsere Kinder lesen uns Geschichten vor. So wie es früher war. Nach dem Abendessen saßen wir zusammen und erzählten uns Märchen, Abenteuer und Erlebnisse. Was meint ihr dazu“? Volle Zustimmung, wie konnte es anders sein.

 

Geplante Projekte

Jardin Sacré

Für jede neu gebaute Schule einen Jardin Sacré

Bürgermeister Didier Sanni Kouandé-Sounon von Kouandé begrüßte uns mit den Worten, “jetzt lerne ich endlich die Initiatorinnen kennen von denen ich schon so viel gehört habe und deren Arbeit ich sehr schätze. Ich spreche von den Jardin Sacrés. Sie sind ein wichtiger Baustein für den Grundschulunterricht. Die Idee Schülern Verantwortung für die Natur und ihrer nächsten Umwelt zu übertragen ist genial. Bei der letzten Konferenz der Departements (vergleichbar den Bundesländern in Deutschland) brachte ich die Jardin Sacrés auf die Tagesordnung. Es wurde beschlossen, dass für jede neu gebaute Schule mindestens ein halber Hektar für einen Jardin Sacré zur Verfügung gestellt werden soll“.

Informationszentrum

Der Bürgermeister ist ein sehr innovativer und fortschrittlicher Mensch. Er denkt auch an die Jugendlichen und an ihre Neugier und ihren Informationshunger. Ein Informatikzentrum mit einem gut ausgebildeten Lehrer* wäre fantastisch, ein Traum. König Tossounon Touko-Sari stellt ein Grundstück zur Verfügung und das Departement baut mit unserer Hilfe das Gebäude und kümmert sich um den Ausbilder*. Von Wema-Home werden die Laptops, die wir von Labdoo bekommen nach Benin gebracht. Labdoo ist ein weltweites Netzwerk ehrenamtlicher Helfer*, das Kindern digitale Teilhabe in In- und Ausland ermöglicht, umsonst zur Verfügung stellt. Das ist doch etwas.

Wemakumi

Hangar für die Herstellung von Sheabutter

In diesem Jahr wurde von staatlicher Seite eine Qualitätskontrolle der im Land hergestellten Karité Butter angeordnet. Die von unserer Frauengruppe in Gobada hergestellte Wemakumi wurde prämiert. Sie kam unter die ersten drei Gewinnerinnen und als Preis bekamen sie eine Besichtigungsreise durchs Land. In der Gruppe wurde unsere Madame Bourier gefragt, ob sie ihr Wissen in Form eines Praktikums weiter geben könnte. Bourier arbeitet auf ihrem Hof in sehr beengten Verhältnissen und mit alten Utensilien. Sie schämt sich dafür. In Anerkennung ihrer Leistung werden wir einen Hangar (überdachte Feuerstelle und Arbeitsplatz) und verschiedene Arbeitsutensilien sponsern.

Madame Bourier Wemakumi

 

Was wäre Wema Home ohne seine Spender, Unterstützer und ehrenamtlichen Mitarbeiter? Ohne euch könnten wir all diese Arbeit nicht leisten.

Durch eure Spende helft ihr nicht nur vielen Menschen zu einer besseren Lebenssituation. Auch das Bewusstsein für unsere Umwelt wird bei Jung und Alt gefördert und wir können schon jetzt sagen: der Samen geht auf.

Motorrad