Wemaplanta
Ziel des Projektes ist es, erodiertes Land als fruchtbares Ackerland zurückzugewinnen. Damit wird zum einen der Erhalt des Lebensraumes und zum anderen die Ernährung für die ländliche Bevölkerung gesichert und die Landflucht der Bauern gestoppt.

Das vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) geförderten Projekt wurde am 1. Juli 2016 begonnen. 600 Bauern und Bäuerinnen im Arrondissement Boukoumbé nehmen an dem Projekt teil.

Ausgangssituation
Jahrzehntelange Misswirtschaft hat die landwirtschaftlichen Flächen im Norden Benins völlig ausgelaugt. Die Regenzeiten werden immer kürzer, fallen zum Teil ganz aus, oder es kommt zu Überschwemmungen, weil der Boden zu hart ist und das Wasser nicht mehr aufnehmen kann (Ausbreitung der Sahelzone).

Die Bauern befinden sich aufgrund ihrer Abhängigkeit von großen Saatgutkonzernen in einem existenzzerstörenden Kreislauf. Sie müssen Kredite aufnehmen, um Saatgut, Dünger und Pestizide zu kaufen, wofür Zinsen von

100 % keine Seltenheit sind. Der Mais-Samen ist genmanipuliert und bringt nur einen einzigen Ernteertrag. Für das nächste Jahr muss erneut Saatgut gekauft werden. Sehr viele Landwirte können vom Ernteertrag nicht einmal die Zinsen bezahlen, d.h. sie „verhungern“ neben ihren Feldern. Sie kommen ohne Unterstützung aus diesem Kreislauf nicht mehr heraus. Demzufolge verlassen gerade die jungen Menschen ihre Region. Sie sehen keine Zukunftsperspektive und fliehen nach Nigeria oder nach Europa.

Projektidee
Jean Touota – diplomierter Agraringenieur Direktor der ONG CERD in Boukoumbé -beobachtete schon seit Jahren die negative Entwicklung der Agrarwirtschaft, die zu Ernährungs- und Existenzproblemen und zu Landflucht führt. Er hatte die Vision, eines Tages hier Abhilfe zu schaffen und so suchte er Kontakt zu Bauern, die aus Altersgründen nicht mehr auf dem Feld arbeiteten. Touota wollte mehr über die traditionelle Feldbestellung erfahren, die heute nicht mehr praktiziert wird und befragte die alten Bauern, wie ihre Eltern oder Großeltern die Felder bewirtschaftet hatten. Unter Anderem erfuhr er, dass ganz bestimmte Bäume auf den Feldern helfen, den Boden zu regenerieren. In den Baumschulen sind diese Baumsetzlinge allerdings nicht mehr zu haben.

Noch vorhandenen alten Samen kaufte er den Landwirten ab und legte eine Saatgutbank an, mit dem Wissen, dass das alte Saatgut genau richtig ist für die immer kürzer werdende Regenzeit. Das Ausbringen dieser Saat kann aber erst erfolgen, wenn die Böden ökologisch aufbereitet sind.

Zu diesem Thema ließ Touota sich bei der GIZ Benin weiterbilden und besuchte Unternehmen, die bereits nach den Vorgaben der Farmer Business School die landwirtschaftlichen Praktiken erfolgreich einsetzen.

Mit diesem Wissen und mit der Vision, die Landwirtschaft eines Tages auf ökologisch nachhaltigen Ackerbau umzustellen und damit die Not seiner Landsleute langfristig zu lindern, wurde der Grundstein für dieses Projekt gelegt.

Im Jahr 2015 haben sich Marianne Dötzer und Jean Touota kennen gelernt und der „Funke“ ist übergesprungen. Wema Home hat die gleichen Visionen und Arbeitsweisen wie die CERD ONG.  Die Projektidee von Jean Touota hat uns überzeugt und wir stellten gemeinsam einen Plan auf über die notwendigen Maßnahmen, die zeitlichen Abläufe, die personellen Strukturen und auch über die finanziellen Notwendigkeiten und stellten einen Antrag auf Förderung beim BMZ (Bundeministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Der Antrag wurde bewilligt und mit 75 % Fördergeld bezuschusst. 25 %  muss Wema Home selbst aufbringen.

Projektverlauf
Am 1.Juni 2016 wurde das Projekt mit 600 Bauern gestartet.

Die Umstellung auf ökologisch nachhaltige Landwirtschaft erfordert in erster Linie Schulung in Theorie und Praxis. Dazu wurde ein Schulungsgebäude gebaut, Versuchsfelder, Kompostgruben und Baumschulen wurden angelegt.

Das Team der Ausbilder besteht aus einer Projektleitung und vier Agraringenieuren.

Die Planung von CERD ONG ist so ausgelegt, dass acht Dörfer an dem Projekt teilnehmen.

Die motivierten Landwirte werden pro Dorf in drei Gruppen eingeteilt in der  Gruppengröße von 24 bis 30 Teilnehmern. Zur praktischen Umsetzung des Wissens um ökologische, nachhaltige Bewirtschaftung des Bodens wird für jede Gruppe ein Versuchsfeld (Größe von ca. 1 ha) gemeinsam mit dem Chef de Terre ausgewählt, welches in den Besitz der Gruppe übergeht. Das Feld muss mindestens drei Jahre brach gelegen sein. Das ist die Voraussetzung, um sicher zu gehen, dass keine Reste von Pestiziden mehr im Boden vorhanden sind.

Um die Gruppen zeitnah betreuen zu können, werden 24 Feldberater (leader paysan) ausgewählt und zur Unterstützung der vier Agraringenieure eingesetzt. Dazu werden sie für ihre Aufgaben intensiv geschult.

Der Einsatz von biologischem Dünger in Form von Kompost ist die Grundvoraussetzung für die Bodenverbesserung.

Statt Kunstdünger und chemische Pestizide zu verwenden lernt die Zielgruppe das Herstellen von Bio-Insektiziden aus den Blättern des Neem-Baumes.

Ein weiterer Bestandteil des Projekterfolgs ist die Pflanzung von Karité- und Nérébäumen. Nach dem Prinzip der Agroforstwirtschaft sind diese Bäume die wichtigsten Baumarten, die zusammen mit den Nutzpflanzen auf die Felder gepflanzt werden. Dort bilden sie einen pflanzlichen Schirm für die angebauten Pflanzen und dienen als Bodenverbesserer. Ein wesentlicher Vorteil der Karité- und Néré-Bäume ist, dass sie zum Gleichgewicht der Ökosysteme, zur Bodenregenerierung beitragen, sich positiv auf die Klimaveränderung auswirken und die Ausweitung der Sahelzone verhindern helfen.

Auf der Fläche des Zentrums wird eine Baumschule angelegt. Setzlinge von Karité- und Nérébäume werden dort für den Einsatz auf den Versuchsfeldern und für zusätzliche Aufforstung kultiviert. Die Früchte dieser Bäume sind ein großes Einkommenspotential für die Landwirte. Durch eine Veredelung dieser Bäume setzt der Fruchtzyklus statt nach 15 Jahren schon nach 6 Jahren ein. Diese Technik der Veredelung ist ein wesentlicher Bestandteil der Schulung. Weitere Themen zur umfassenden Schulung in ökologisch nachhaltigem Ackerbau sind: Marktanalyse, Vermarktung, Lagerhaltung, Bevorratung und Verkauf.

August 2018 – Stand des Projektes
Am 30. Juni 2018 ist die erste Phase des Projektes mit großem Erfolg abgelaufen.

Die Teilnehmerzahl musste wegen des großen Interesses auf 896 Bauern und Bäuerinnen (31% Frauen) aufgestockt werden. Folglich wurde auch die Gruppe der Bauernberater auf 24 Personen erweitert.

Bei unserem Besuch im Februar 2018 konnten wir sehen mit welch großer Motivation die Agraringenieure, die Bauernberater, die Bäuerinnen und Bauern sich an dem Projekt beteiligen und welchen Erfolg sie schon trotz Trockenheit erreicht haben.

Ausschlaggebend für den Erfolg und die Motivation der Bauern war auch ein extra angelegtes Demonstrationsfeld: auf einem Teil des Feldes wurde der Mais mit Kompost angepflanzt und daneben wurde der Mais mit Kunstdünger angebaut. Der Unterschied in der Reife der Pflanzen und der Qualität war so frappierend, dass auch der letzte noch zweifelnde Bauer überzeugt wurde.

In der zweijährigen Projektphase wurde eine gute Ernte eingefahren. Die  Bauern und Bäuerinnen sind motiviert, sie haben wieder eine Zukunftsperspektive.

Der Exodus von jungen Menschen, die dem Hunger und der Perspektivlosigkeit im eigenen Land entfliehen, wird bald der Vergangenheit angehören.

Wir freuen uns, dass unser Antrag auf Weiterführung des Projektes bis zum Juni 2020 vom BMZ genehmigt wurde.

Das Gesamtvolumen beträgt 303.3024 €

Das BMZ beteiligt sich mit 75 %

Die restlichen  25 % müssen wir mit Spendengeldern aufbringen und sind deshalb für jeden Euro dankbar.